26. August 2025

Worte bewegen Welten …

… oder im Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse: Besucher und Leser. In diesem Jahr waren es 296 000 und damit um 13 000 mehr als im letzten Jahr, die sich auf eine Entdeckungsreise durch das Literaturangebot begaben. Die Messe setzte neuerlich ein starkes Zeichen für die Bedeutung des Buches – gerade auch in gedruckter Form.

«Die Leipziger Buchmesse setzte den Herausforderungen in Branche und Gesellschaft Lesebegeisterung und Debattenfreude entgegen. In den Messehallen wuselte es, Bücherfans jeden Alters feierten die Literatur und deren Vielfalt. Die Buch- und Kreativbranche stösst wichtige gesellschaftliche und politische Debatten an und unterfüttert sie mit Fakten. Zusammen haben wir gezeigt: Wir gestalten die Zukunft unserer Demokratie mit», so Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
 
Wieder war die Leipziger Buchmesse der erste Höhepunkt des deutschen Bücherjahres, ein quirliger Treffpunkt für Leser, Autoren, Buchhändler und Verlagsmenschen. Davon zeugten nicht nur die vollen Gänge, sondern auch die endlos langen Schlangen am Einlass. Mit 2040 Ausstellern aus 45 Ländern sowie einem Flächenzuwachs im zweistelligen Bereich positionierte sich die Leipziger Buchmesse erneut als wichtige Plattform, die unterschiedliche Meinungen und Perspektiven zusammenbringt. Die deutsche Buchbranche brauchte aber auch dringend positive Signale, denn die Absatzzahlen im Jahr 2024 gingen um 1,7 Prozent zurück. Das leichte Umsatzplus von 0,9 Prozent erklärt sich nur durch die gestiegenen Verkaufspreise.
 
«Es war großartig zu sehen, wie viel Euphorie das Buch entfacht und wie es Menschen zusammenbringt. Als Ort der Begegnungen, der Gespräche und Entdeckungen nimmt die Leipziger Buchmesse eine zentrale Rolle in Deutschland ein – beispielsweise zu Themen wie Künstliche Intelligenz und Audio, denen wir mit neuen Formaten einen besonderen Raum gegeben haben. Das grosse Interesse an der Buchmesse zeigt, wie wichtig das analoge Erlebnis nach wie vor ist», so Astrid Böhmisch, Direktorin der Leipziger Buchmesse.
 
Ein Zuhause für alle Manga-, Anime- und Comic-Fans
In den Hallen 1 und 3 haben sich wieder Tausende Manga-Comic-Con-Fans getroffen, darunter zahlreiche aufwendig kostümierte Cosplayer, die das Zusammensein mit Gleichgesinnten genossen. Zur Klarstellung: Ein Cosplayer ist eine Person, die sich als eine Figur aus einem Anime, Manga, Computerspiel oder Film verkleidet. Zu den Highlights zählten hier auch die Auszeichnungen des Leipziger Cosplay Wettbewerbs und der ersten Cosplay Performance Meisterschaft Deutschland.
 
Frederik Eikmeier, Vertrieb, Rowohlt Verlag GmbH, der die Messe auch als Gradmesser für die Frühjahrsnovitäten sieht, meinte dazu: «Auf der Leipziger Buchmesse sieht man, dass das Buch sehr lebendig und das Publikum auch sehr divers ist − von jung bis alt sind alle Altersklassen vertreten. Schön gestaltete Bücher erfreuen sich grosser Beliebtheit. Romance ist hier ein grosser Trend, und die Community will sich am Messestand und mit den Büchern für Social Media inszenieren. Das ist in Leipzig durch die Verbindung mit der Manga-Comic-Con noch tiefer verankert.»

 

KI wird die Buchbranche so oder so verändern
Ein Thema, das auch in Leipzig omnipräsent war, ist die Künstliche Intelligenz. Viele Kreative sorgen sich um ihr geistiges Eigentum, versichert Katharina Uppenbrink von der Initiative Urheberrecht. Sie fordert von der deutschen Bundesregierung und der Europäischen Gemeinschaft klare Regularien. KI könne zwar grosse Mengen an Daten analysieren und neue Werke generieren, aber kreative Energie, die aus menschlicher Vorstellungskraft und Lebenserfahrung hervorgeht, könne sie nicht ersetzen, betont Uppenbrink.
 
Wenn Texte, Musik oder Bilder durch KI ersetzt werden, gefährdet das auch Existenzen. Ein Problem, mit dem Illustratoren bereits zu kämpfen haben, sagt Jürgen Gawron von der Illustratoren Organisation e. V. Im Internet seien die Arbeiten dem Zugriff von Bots oder Crawlern ohne jedes Einverständnis nahezu schutzlos ausgeliefert. KI-Bildgeneratoren würden für ein unmittelbar verfügbares Überangebot sorgen. Während die wirklichen Illustratoren auch um die Wirkkraft der Bilder wüssten, lieferten Bildgeneratoren völlig willkürliche Ergebnisse, zeigt sich Jürgen Gawron besorgt.
 
Verkaufserfolg vorhersagen
KI werde den Buchmarkt verändern, ist sich Forscher Patrick Krauss sicher – sowohl im Schreibprozess als auch in der Vermarktung. Tools wie «demandsens» etwa, die den wirtschaftlichen Erfolg von Büchern vorhersagen sollen, könnten helfen, besser und schneller auf Leserinteressen, Trends und Nachfrage reagieren. Gleichzeitig aber bestehe die Gefahr, dass ungewöhnlichere, anspruchsvollere Themen unterrepräsentiert blieben, wenn der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund steht. Hier brauche es ein gutes Gleichgewicht seitens der Verlage. Um Menschen für Literatur zu begeistern und zu gewinnen, sind KI-gestützte Zusammenfassungen oder Podcasts eine gute Möglichkeit.
 
Grösstes Lesefest Europas
Der Einsatz von KI bietet Chancen und Risken, die sich durch gesetzliche Regelungen nicht komplett einfangen lassen. Umso mehr bedarf es der Aufmerksamkeit und der Transparenz im Umgang mit den bestehenden und vor allem noch kommenden Möglichkeiten der KI. Die Leipziger Buchmesse zeigte, dass der persönliche Austausch zwischen Autoren und Lesern nach wie vor im Vordergrund steht: Dafür sorgten 3000 Mitwirkende an mehr als 330 Leseorten, die Leipzig zum grössten Lesefest Europas gemacht haben.
 
Ihr
Knud Wassermann,
Chefredaktor «Graphische Revue»
 

26. August 2025

Knud Wassermann

Chefredaktor «Graphische Revue»

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