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03.03.2020 / Georg Riva

Auch im konventionellen Bereich schreitet die digitale Transformation zügig voran


Rund 90 Prozent des weltweiten Druckvolumens stammen nach wie vor aus konventionellen Druckverfahren. Doch auch Offset-Produkte herstellende Drucker und Buchbinder sehen sich zunehmend mit der digitalen Transformation konfrontiert. Denn Digital heisst nicht automatisch nur Digitaldruck.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als der Redakteur unseres Kundenmagazins «Panorama» eine auf Sammelheftung konventionell gedruckter Zeitschriften, Kataloge und Prospekte spezialisierte Industriebuchbinderei besuchte. Dabei wurde er vom Besitzer mit den Worten empfangen: «Schön, dass Sie bei uns vorbeikommen. Wenn ich jeweils einen Blick in die diversen grafischen Fachzeitschriften werfe, habe ich manchmal das Gefühl, es gäbe nur noch Digitaldrucker.»

Digital ist nicht (nur) gleich Digitaldruck
Ich verstehe zwar, dass man diesen Eindruck gewinnen kann. Trotzdem: Die Gefahr, dass wir als Maschinenhersteller vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen rund um den Digitaldruck die konventionellen Drucker und Buchbinder vergessen würden, sehe ich nicht – im Gegenteil. Zwar stammen immer noch gut 90 Prozent des weltweiten Druckvolumens aus dem Offset. Aber: Wenn wir heute in der grafischen Branche bezüglich Produktionsprozessen von Digital sprechen, ist damit nicht automatisch nur der Digitaldruck gemeint. 

Vielmehr schreitet auch im konventionellen Bereich die digitale Transformation zügig voran. So setzen heute immer weniger Betriebe von Hand ausgefüllte Laufzettel ein, sondern vertrauen stattdessen auf digitalisierte Auftragstaschen. Immer mehr Maschinen sind – ebenso wie die Auftragsvorbereitung und Vorstufe – direkt ans Management Information System (MIS) angebunden, was mehrere Vorteile (beispielsweise ein Echtzeit-Reporting) hat. Fernziel wäre – und erste Trends in diese Richtung sind bereits erkennbar – die so genannte «Lights-out»-Druckerei: Die dritte Schicht in der Nacht läuft praktisch ohne Personal («Licht aus in der Fabrik»). In der Teilefertigung gibt es das bereits, weil die CNC-Maschinen genügend Arbeitsvorrat haben und selbständig laufen. Natürlich ist das für uns noch ein Zukunftsszenario. Unsere Überlegungen und Innovationen gehen aber in diese Richtung.

Auf Knopfdruck wissen, ob man mit einem Auftrag Geld verdient hat 
Müller Martini investiert deshalb gleichermassen in beide Bereiche. Das stellen wir auf unserem Stand auf der diesjährigen drupa eindrücklich unter Beweis. Einerseits präsentieren wir Innovationen für individualisierte Druckprodukte mit Auflage 1 – andererseits unterstreichen wir unser Bekenntnis gegenüber den konventionellen Buchbindern mit der Vorstellung zweier neuartiger Sammelhefter und eines neuen Klebebinders im Hochleistungs-Bereich.

Und wir zeigen auf, welche zentrale Rolle das von Müller Martini entwickelte Workflow-System Connex für einen optimierten Produktionsprozess spielt. Denn angesichts tiefer Margen für klassische Produkte wie Magazine oder Kataloge sind gerade auch bei der konventionellen Produktion Optimierungen gefragt. Deshalb kommt neben schnellen Rüstzeiten, einer einfachen Bedienung der Systeme und einer perfekten Qualität schon ab dem ersten gefertigten Produkt mit Blick auf kürzere Durchlaufzeiten insbesondere auch einer hohen Automatisierung und digitalisierten Prozessen eine grosse Bedeutung zu. 

Die von Connex.Info 4.0 gelieferten verlässlichen Produktionszahlen ermöglichen eine rasche Auswertung und erleichtern die Nachkalkulation. So können Sie messen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben. Sie können die Produktion gezielt optimieren und damit (insbesondere auch für Wiederholjobs) die Effizienz steigern. Kurz: Automatisierte Auswertungen sparen Zeit und damit Kosten. Und Sie wissen auf Knopfdruck, ob Sie mit einem Auftrag auch tatsächlich Geld verdient haben.

Ein digitales Rezept für jede Maschine
Digitale Finishing 4.0-Lösungen von Müller Martini mit berührungslosen Übergängen von Job A zu Job B sind folglich eng mit Connex verbunden – und bringen auch unseren konventionell produzierenden Kunden einen grossen Nutzen auf verschiedensten Ebenen. So müssen beispielsweise die Auftragsdaten nur einmal erfasst werden, was weniger Redundanz und Fehler und eine höhere Produktionssicherheit zur Folge hat. Das Digitalisieren von Know-how hat einen zusätzlichen wichtigen Vorteil: Maschinenführer haben das Wissen über Voreinstellungen und Verfahrenstechnik der Maschinen in ihren Köpfen. 

Doch was passiert, wenn ein Maschinenführer seine Stelle wechselt oder in Pension geht? Dem Unternehmen droht ein markanter Know-how-Verlust! Deshalb bietet Müller Martini so etwas wie ein digitales Rezept für jede Maschine, das automatisierte Prozesse fördert und den Bediener nicht nur in der täglichen Arbeit unterstützt, sondern ihm auch Tipps und Tricks vermittelt.

MMServices – für ein effizientes Life Cycle Management
Um die Produktion zu optimieren und damit die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, sind Workflow-Funktionen für die Automatisierung von Prozessen oder für die Datenauswertung jedoch nicht das einzige Mittel. Eine Steigerung der Maschinenperformance erreichen Sie auch mittels Integration zusätzlicher Peripherie-Systeme (wie Streamfeeder für die automatische Bogenzufuhr und Kreuzleger / Buchzählstapler oder durch den Austausch älterer Maschinen. 

Stichwort ältere Maschinen: Wenn Ihr Sammelhefter, Ihr Klebebinder oder Ihre Buchlinie schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, empfiehlt sich dringend eine regelmässige und professionelle Wartung. So erhöhen Sie die Verfügbarkeit Ihrer Anlagen und stellen sicher, dass diese noch lange wirtschaftlich produzieren – was sich für Sie unter dem Strich auszahlt. Mit einem individuell auf Sie zugeschnittenen Servicevertrag wählen Sie aus unseren MMServices-Paketen aus, was Sie benötigen, um Ihre Produktivität sicher zu stellen und die Servicekosten kalkulierbar und tief zu halten – für ein effizientes Life Cycle Management.

In zunehmendem Masse nehmen unsere Kunden auch Aus-Eins-mach-zwei- oder Zwei-für-drei-Investitionen vor – und erzielen einen höheren Output, obwohl sie eine Maschine weniger einsetzen. So ersetzte beispielsweise Stephens & George in Wales drei alte Sammelhefter durch zwei neue Primera MC, steigerte die Produktivität aber trotzdem um 20 Prozent und reduzierte die Personalkosten deutlich, weil nun pro Woche zwei Schichten eingespart werden können.

Die Wertschöpfung erhöhen und die Personalkosten reduzieren können Sie auch, indem Sie Systeme als Hybrid-Anlagen flexibel verwenden. Stichworte dazu sind kombinierte Digital-Offset-Anwendung oder Herstellung von Hardcover- und Softcover-Produkten in der gleichen Maschine. Mein amerikanischer Kollege Eric Olsen hat vor sechs Wochen in seinem Blog eindrücklich aufgezeigt, wie dies der zur Thomson Reuters-Gruppe gehörende Müller Martini-Kunde Core Publishing Solutions mit seiner neuen Klebebindelinie Alegro Digital macht. 


Das Beilegen digital gedruckter Signaturen ermöglicht eine «mass customization» – will heissen: Jedes einzelne Produkt wird damit individualisiert. Was wiederum positive Auswirkungen auf Ihr Betriebsergebnis hat: Denn individualisierte Produkte erzielen am Markt einen weit höheren Preis als die unter Margendruck stehenden klassischen Mengengeschäfte.

Auf ein Wiedersehen in Düsseldorf!
Wann immer Sie Fragen zu unseren Finishing 4.0-Lösungen, zur digitalen Transformation, zu unseren Workflow-System Connex, zur Optimierung Ihrer Produktion, zur Steigerung Ihrer Maschinenperformance, zu unseren MMServices-Paketen oder zu kombinierten Digital-Offset-Anwendungen haben: Ihr lokaler Müller Martini-Berater hilft Ihnen gerne weiter. 

Denn getreu unserem drupa-Motto «Get connected» sind auch unsere Verkäufer aufgrund der Erfahrungen in unserem weltweit tätigen Unternehmen bestens untereinander vernetzt. Sie tauschen regelmässig Erfahrungen aus und sorgen so für eine verbale Transformation erfolgreich angewandter Geschäftsmodelle von Printprodukten von Australien bis Südafrika und von Dänemark bis Venezuela. 

Ich freue mich heute schon, mich in drei Monaten auf unserem drupa-Stand in Düsseldorf mit Ihnen über Ihre Erfahrungen und Ideen zu unterhalten.


Ihr
Georg Riva
VP Global Sales und drupa-Projektleiter Müller Martini

 
03.03.2020 Georg Riva VP Global Sales und drupa-Projektleiter Müller Martini