Wie Novus von einer reinen Druckerei zu einem echten Produktionspartner wurde
Weil immer mehr südafrikanische Verlage die Flexibilität von Print on Demand entdecken und damit der Digitaldruck einen schnell wachsenden Anteil der Buchproduktion ausmacht, investierte Novus Print in seinem Werk in Kapstadt in ein All-in-One-Weiterverarbeitungs-System von Müller Martini und Hunkeler. Dieses besteht aus einem Plowfolder PF7, einem Klebebinder Vareo PRO und einem Schneidroboter InfiniTrim. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Connex-Workflow.
Vor einem Jahrzehnt mit einer Kodak Prosper in den Digitalmarkt eingestiegen, macht der Digitaldruck bei Novus Print heutzutage einen bedeutenden und schnell wachsenden Anteil der Buchproduktion aus. Dass permanent mehr Buchtitel statt auf grossen Offset-Anlagen mit kompakten und hochautomatisierten Digital-Systemen gedruckt werden, hat viel damit zu tun, dass auch immer mehr südafrikanische Verlage die Flexibilität von Print on Demand – und damit insbesondere verbunden das Vermeiden von Lagerkosten – entdecken. Johnny Singh (Head of Books bei Novus Print) geht deshalb davon aus, «dass der Digitaldruck in unserer Buchproduktion in den kommenden Jahren weiter wachsen wird. Vor allem in den Bereichen Bildung und Wissenschaft wird der Digitaldruck zum Standard, während der Offsetdruck Grossauflagen vorbehalten bleibt.»
Neue Digitaldruckmaschine und neues All-in-One-Weiterverarbeitungs-System
Die 1905 gegründete Novus Print, die zur Paarl Media Group gehört und ein Geschäftsbereich der an der Johannesburg Stock Exchange notierten Novus Holdings ist, investierte deshalb einerseits in eine Canon ColorStream 8200. Diese basiert auf derselben Inkjet-Technologie wie die seit 2016 laufende Kodak Prosper. Andererseits nahm das familiengeführte Traditionsunternehmen im vergangenen April auch ein All-in-One-Weiterverarbeitungs-System – bestehend aus einem Plowfolder PF7, einem Klebebinder Vareo PRO, einem Schneidroboter InfiniTrim und dem Connex-Workflow – in Betrieb. Johnathan Rose (Head of Operations bei Novus Print) bringt es kurz und knapp auf den Punkt, warum sich die 717 Mitarbeitende im 7/24-Modus mit jeweils Zwölf-Stunden-Schichten beschäftigende Firma für die neue Smart-Factory-Lösung von Müller Martini und Hunkeler entschieden hat: «Der entscheidende Treiber für unsere Investition war das wesentliche schnellere Make-Ready – sprich die drastisch reduzierten Einrichtungs- und Rüstzeiten.»
Automatisiertes Auftragswesen statt langer Vorlaufzeiten
Die grössten Probleme in der digitalen Buchproduktion vor der Installation der neuen Druckmaschine und des neuen Weiterverarbeitungs-Systems waren lange Vorlaufzeiten, Überbestände, Veralterung nicht benötigter Bücher, Hindernisse bei der Personalisierung und damit verbunden ein Cashflow-Druck. Diverse Prozesse erfolgten manuell und waren damit zeitaufwendig. Forderte früher ein Kunde ein Angebot an, holte er bei verschiedenen Druckereien Offerten ein. Er verglich die Preise, schickte dann die Druckvorlagen und bestätigte den Auftrag. Das war ein Prozess mit zahlreichen manuellen Vorgängen und ohne Garantie für eine einheitliche Bearbeitungszeit.
Das Automatic Stock Replenishment (ASR) von Novus Print löst dieses Problem. Dabei handelt es sich um eine automatisierte Bestandsverwaltung, die Lagerbestände überwacht und bei Erreichen eines festgelegten Schwellenwerts die Nachbestellung auslöst. Damit ist kein manuelles Eingreifen mehr nötig. Die Schwellenwerte werden pro Titel vereinbart. Der Verlag wird benachrichtigt, muss jedoch keine Massnahmen ergreifen.
Weniger manuellen Eingriffe = deutlich geringeres Fehlerpotenzial
Johnathan Rose ist von der neuen Lösung begeistert. «Was die Buchlinie so einzigartig macht, ist nicht das Equipment an sich – es ist die darauf aufbauende intelligente Automatisierung, die jede Maschine zu einer nahtlosen Nearline-Produktionslinie verbindet. Das führt zu weitaus weniger händischen Eingriffen und damit auch zu einem deutlich geringeren Fehlerpotenzial.» Neben dem Auto Stock Replenishment, das eine nahtlose, automatisierte Nachbestückung von Stammkundenkonten ermöglicht, sodass Bücher nachgefüllt werden, bevor es zu Lieferengpässen kommt, bilden zwei weitere Funktionen das Herzstück.
Print on Demand: Die Auflagen richten sich nach dem tatsächlichen Bedarf und nicht nach Prognosen, sodass jedes gedruckte Exemplar auch wirklich benötigt wird.
Zero Inventory: Heute bestellt, innerhalb von 72 Stunden geliefert – mit einheitlichen Durchlaufzeiten über die gesamte Produktionsplatte hinweg.
Stichwort Kunden: Diese stammen grossmehrheitlich aus ganz Südafrika und umfassen die Branchen Bildung, Einzelhandel, öffentliche Verwaltung und Medien. In noch geringen, aber wachsendem Umfang hat Novus Print auch Kunden in Europa. Die Produktpalette ist sehr gross und reicht von Zeitungen über Zeitschriften, (Schul-)Bücher, personalisierte Kataloge, Hefte, Flyer, Broschüren und Etiketten bis hin zu Papiertüten.

Die meisten Bücher werden klebegebunden
Dabei wird das gesamte Spektrum von Printprodukten abgedeckt – Sammelheftung ebenso wie Hardcover und Softcover. Klebegebundene Titel machen den Grossteil der Buchproduktion aus, weil Softcover das bevorzugte Format für akademische und berufliche Literatur ist.
Auf der neuen digitalen Bookline starten die Softcover-Auflagen bei 100 und reichen bis zu 2500 Exemplaren – kurz genug, um genau die benötigte Menge zu drucken, lang genug, um einen kompletten Schul- oder Einzelhandelsauftrag in einem Durchgang zu bedienen. Grössere Softcover-Auflagen, die über diesen Bereich hinausgehen, werden weiterhin auf Offset-Druckmaschinen produziert. Dank der in die Anlage integrierten Schnellwechsel-Funktion wechselt die Buchlinie innerhalb einer einzigen Schicht mehrfach zwischen verschiedenen Aufträgen – unterschiedliche Titel, Formate, Seitenzahlen und Auflagen – ohne die Stillstandzeiten, die den Auftragswechsel früher kostspielig gemacht haben.
Minuten statt Tage
Digital gedruckt werden neben Schulbüchern und akademischer Literatur insbesondere auch Taschenbuchromane. Dabei hat sich die Produktion gegenüber der früheren Lösung laut Johnny Singh markant beschleunigt. «Zuvor setzten wir auf separate Maschinen und manuelle Übergaben zwischen Angebotserstellung, Druckvorstufe, Druck und Weiterverarbeitung. Nun bündelt die neue Buchlinie den gesamten Prozess in einem intelligenten, automatisierten Workflow. Die Aufträge durchlaufen den gesamten Prozess von der Bestellung bis zum fertigen, palettierten Buch mit minimalen manuellen Eingriffen, in einem Bruchteil der Zeit und mit weitaus weniger Fehlermöglichkeiten. Von der Bestellung bis zum Druck vergehen nun Minuten statt wie früher Tage. Der eigentliche Vorteil unserer im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr laufenden Smart-Factory-Lösung liegt nicht in einer einzelnen Maschine, sondern in der Automatisierung, die alle Maschinen miteinander verbindet. Zudem ist das neue System bei der Zuordnung von Umschlag und Inhalt fehlerfrei. Wir binden stets den richtigen Umschlag mit dem richtigen Inhalt. Die stark verbesserte Zuverlässigkeit ohne Fehlerrisiko ermöglicht uns ein reibungsloses Arbeiten ohne Verzögerungen.»
Die Kunden sind beeindruckt
Zudem hat sich gemäss Johnny Singh auch die Qualität gegenüber dem früheren Produktionsprozess verbessert. «Die auf dem Vareo PRO im PUR-Verfahren gebundenen Printprodukte weisen einen gleichbleibend hohen Standard auf. Und der InfiniTrim liefert fertige Bücher, die wie mit einem heissen Messer durch Butter geschnitten sind. Neben dem saubereren Schnitt sind unsere Kunden auch beeindruckt von den stabilen und gleichmässig gebundenen Buchrücken, die sich flach aufschlagen lassen.»
Neben der hohen Produktqualität profitieren die Novus-Kunden auch von der höheren Flexibilität. Zero Inventory und Print on Demand bedeuten, dass Kunden nicht mehr an grosse, auf Prognosen basierende Auflagen gebunden sind, um einen wettbewerbsfähigen Preis zu erhalten. Sie können genau das bestellen, was sie brauchen, wann sie es brauchen – sei es eine Nachbestellung von 100 Exemplaren oder eine vollständige Wiederauffüllung des Lagerbestands. Und sie wissen, dass die Lieferung innerhalb von 72 Stunden erfolgt. «Das gibt ihnen und uns die Flexibilität, auf die tatsächliche Nachfrage zu reagieren», , betont Johnny Singh.

Connex steuert die gesamte digitale Produktionslinie
Die betriebsinterne Flexibilität – sprich die Abwicklung von Produktionsplänen und Zeitplänen für jeden einzelnen Auftrag – hat sich gemäss Johnathan Rose nicht zuletzt auch dank des Connex-Workflows, der die gesamte digitale Produktionslinie steuert, erhöht. «Connex ermöglicht uns eine weitaus strengere Kontrolle über die Terminierung und Abfolge jedes Auftrags, während die automatische Lagerauffüllung Hauskunden für Nachdrucke markiert und in die Warteschlange stellt, noch bevor deren Lagerbestände aufgebraucht sind. Dank dieser beiden Funktionen sind unsere Produktionspläne besser vorhersehbar und unsere Liefertermine zuverlässiger als unter dem früheren, eher manuellen Prozess. Connex ImpoWhiz ist deshalb besonders wichtig, weil es die ausgeschossenen Files für die Digitaldrucklinie erstellt und diese danach direkt an die Falz- und Bindelinie weitergeleitet werden.»
Kein Wunder, zieht Johnathan Rose eine ausnahmslos positive Bilanz der ersten Betriebsmonate: «Wir sind mit dem neuen System äusserst zufrieden. Auch unsere Maschinenführer sind beeindruckt. Denn die neue Linie ist sehr benutzerfreundlich und unkompliziert zu bedienen. Erforderte die Produktion früher mehr Personal wegen der voneinander getrennten Maschinen und der manuelle Übergaben, kann das System heute mit einem schlanken, geschulten Bedienerteam betrieben werden.»
«Das macht uns einmalig im Markt»
Dazu trug auch die Schulung bei. Diese war laut Johnny Singh «umfassend und gut strukturiert. Sie deckte sowohl die Betriebs- als auch die Wartungsaspekte des Systems ab und vermittelte unserem Team das Wissen und das Selbstvertrauen, die Anlagen sicher und effizient zu bedienen. Der praktische, handlungsorientierte Ansatz war besonders wertvoll, um den Bedienern zu helfen, sich mit der Maschine und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen.»
Johnathan Rose ist überzeugt, dass Novus Print seine Marktposition mit der neuen Lösung gestärkt hat. «Sie positioniert unser Unternehmen von einer reinen Druckerei zu einem echten Produktionspartner für unsere Kunden aus dem Verlagswesen um», unterstreicht er. «Dass wir Print on Demand mit einer Bearbeitungszeit von 72 Stunden und automatischer Nachschubversorgung versprechen können, macht uns einmalig in einem Markt, in dem die meisten Wettbewerber ihre Preise und Planungen noch immer an langen, prognosebasierten Offset-Auflagen ausrichten.»