13. Juli 2026

Wie der Phönix aus der Asche – Neustart bei Pozkal geglückt

Nach einem verheerenden Brand im Mai 2025 ist es der Druckerei Pozkal aus Inowrocław, Polen, gelungen, in einem Kraftakt die Produktion in gerade einmal neun Monaten im März 2026 wieder aufzunehmen. Im Zuge dessen wurden fast alle Produktionsbereiche auf den aktuellen technischen Stand gebracht. Jetzt profitiert das Unternehmen von einer deutlichen Effizienzsteigerung als auch von neuen Produktionsmöglichkeiten. In der Buchbinderei sorgt die Klebebinderlinie Alegro von Müller Martini durch ihren hohen Automatisierungsgrad für einen enormen Qualitäts- und Produktivitätssprung.

Nachdem Artur Chęsy, Geschäftsführer der Druckerei Pozkal, gemeinsam mit seinem Team den Entschluss gefasst hatte, den Betrieb weiterzuführen, ging es nicht nur darum, den Status quo wiederherzustellen, sondern auch darum, den Betrieb optimal für die Zukunft auszurichten. «Eine regelrechte Mammutaufgabe, denn alles, was ansonsten Schritt für Schritt erledigt wird, musste jetzt parallel und so rasch wie möglich umgesetzt werden, um die Produktion wieder ins Laufen zu bringen.» Das umfasste den Neubau der Produktionshalle genauso wie zahlreiche Investitionsentscheidungen, die Instandsetzung noch brauchbarer Maschinen, den Aufbau der betrieblichen Infrastruktur und die Installation der Technik bis hin zur Schulung der Mitarbeiter*innen. Auf den ersten Blick eine grosse Herausforderung, aber auch eine einmalige Chance, die in ihrer Komplexität ein neues Mindset der gesamten Belegschaft erfordere, was aber seine Zeit brauche, wie Artur Chęsy versichert. Er untermauert dies mit einem Zitat von Albert Einstein: «Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.»

Wettbewerbsfähigkeit gesteigert
Bei allen Investitionsentscheidungen verfolgte Pozkal ganz klar das Ziel, die Produktion so weit wie möglich zu automatisieren und die Effizienz über alle Bereiche zu steigern. Das spiegelt sich unter anderem im Drucksaal wider. Dort wurde die Anzahl der Offsetdruckwerke von 21 auf 13 reduziert und trotzdem ist der Output in einem 24/7-Betrieb höher. Für die reine Cover-Produktion wurde eine UV-Inkjet-Druckmaschine installiert, die durch ihre Substratvielfalt überzeugt. Die Rollenoffsetmaschine wurde beim Brand weitgehend verschont und konnte wieder instandgesetzt werden. Sie liefert durch das integrierte Falzwerk gefalzte Lagen, die später in der Buchbinderei zu Buchblocks verarbeitet werden. Aber auch im Rollendruck hat Pozkal die Digitalisierung mit einer Roll-to-Roll-Inkjetmaschine für den reinen SW-Druck eingeleitet.

Was aber aus der Sicht von Artur Chęsy im Rahmen des Projektes noch wichtiger war, war die Reduktion der Belegschaft von 250 auf 150 Mitarbeiter*innen, um so die Wettbewerbsfähigkeit am polnischen, aber auch am europäischen Markt abzusichern. Die Produktion ist darauf ausgelegt, pro Jahr zwischen acht und zehn Millionen Bücher mit Soft- oder Hardcover zu produzieren. Etwa jedes fünfte bei Pozkal produzierte Buch geht in den Export. (Wie sieht das Verhältnis zwischen Soft- und Hardcover aus?)

Innovative Klebebindertechnologie
Mit dem Ausbau der Kapazitäten im Digitaldruck wurde darauf abgestimmt eine Nearline-Finishing-Lösung von Hunkeler installiert. Über diese Schiene werden die im Inkjet bedruckten Rollen zu Buchblocks verarbeitet und im Anschluss mit einem Umschlag für Softcover versehen. Da auch der Klebebinder Bolero bei dem Brand komplett zerstört wurde, investierte Pozkal mit einem Alegro in die jüngste Klebebindertechnologie von Müller Martini. Aufgrund ihrer Ausstattung bietet die Klebebinderlinie laut Artur Chęsy alle Möglichkeiten. Die einzige Option, die Pozkal aufgrund der aktuellen Auftragsstruktur nicht mehr einsetzt, ist das Trennen von Doppelnutzenproduktion. Bei dem Trend zu kleineren Auflagen rechne sich die Investition nicht mehr.

Alegro – die Lösung für wechselnde Anforderungen
Das flexible Maschinenkonzept des Alegro erlaubt schnelle Konfigurationswechsel und macht den Klebebinder zur idealen Lösung für sich laufend ändernde Anforderungen, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen Digital- und Offsetdruck bei Pozkal ergeben. Dem stimmt Artur Chęsy zu, aber den Mitarbeiter*innen fehle noch die Erfahrung, um das Potenzial des Alegro in vollem Umfang auszuschöpfen. Doch das sei nur eine Frage der Zeit, versichert er. Die Weiterentwicklung der Klebebindertechnologie macht sich in der Praxis ganz klar bemerkbar. So wurde die Zusammentragmaschine ZTM 3692, die über 20 Stationen verfügt, so positioniert, dass sie von beiden Seiten beschickt werden kann. Ein Ansatz, den Pozkal nutzt, um die Leistungsfähigkeit des Alegro mit maximal 6.000 T/h optimal auszulasten.

Die Einstellungen am Alegro liefern exakte und reproduzierbare Ergebnisse, was sich auch in der Buchqualität positiv bemerkbar macht. Der Klebebinder von Müller Martini verarbeitet ein breites Formatspektrum – vom Kleinstformat bis zu A3. Produkte im Format A4 quer können im Doppelnutzen gefahren werden, was die Herstellkosten bei allen Auflagegrössen stark reduziert. Darüber hinaus ist er mit einer Vorsatzblattzuführung, einer Inline-Klappenfalzstation und einer Vorderkantenschneideeinheit ausgestattet, was ebenfalls der Produktvielfalt zugutekommt. Der Alegro ist für die Verwendung von Hotmelt- oder PUR-Klebstoffen ausgelegt und der integrierte Umschlaganleger ermöglicht auch eine Inline-Klappenproduktion, welche inline auf dem FA 650 Frontschnittaggregat geschnitten werden.

Die zwei Stationen für das Anpressen der Buchrücken tragen laut Artur Chęsy auch zu einer besseren Produktqualität – Verbindung von Buchblock und ‑umschlag – bei. Mittels Kameras wird die Qualität der Klebebindung abgesichert und für einen exakten Dreiseitenschnitt sorgt der Dreimesserautomat SolitPro. Eine weitere Investition in der Druckweiterverarbeitung bei Pozkal wurde in Verbindung mit einer Ableimlinie getätigt, die durch einen Granit-Dreimesserautomaten ergänzt wurde. Im zweiten Schritt soll er in eine bestehende Kolbus-Buchlinie für die Hardcover-Produktion integriert werden. Pozkal hat sich mit der Umstrukturierung und den getroffenen Investitionsentscheidungen im Druck und der Weiterverarbeitung die Basis geschaffen, um sich in Zukunft am polnischen und westeuropäischen Buchmarkt zu behaupten und weiter zu wachsen. Neueste Technologien in der Weiterverarbeitung von Müller Martini und der gute Mix aus Offset- und Digitaldruck verleihen dem Unternehmen die notwendige Flexibilität, um auf die gestiegenen Anforderungen des Marktes zu reagieren.

«Müller-Martini dankt Pozkal für das Vertrauen in unser Unternehmen und unsere Maschinen und wir freuen uns Pozkal auch in der Zukunft als «Your Strong Partner» zur Seiten zu stehen»,
versichert Jacek Kobylinski, Geschäftsführer Müller Martini Polen.