26. August 2026

Es geht nichts über eine vertrauensvolle Beziehung

Weil die auf Buchproduktion spezialisierte Friedrich Pustet GmbH & Co. KG im deutschen Regensburg vor Kurzem gross in den Digitaldruck einstieg, modernisierte sie parallel dazu auch ihren Finishing-Bereich. Da die beiden Firmen seit über drei Jahrzehnten eine enge Partnerschaft in den Bereichen Softcover und Hardcover verbindet, fiel die Wahl auf eine hochautomatisierte Lösung von Müller Martini. 

Als das 1820 von Friedrich Pustet gegründete Familienunternehmen vor elf Jahren in einen Klebebinder Alegro von Müller Martini investierte, begründete dies der damalige Firmenchef Paul Pustet so: «Mit unserem modernen Maschinenpark werden wir dem Wandel des Marktes gerecht.»

Ende 2024 begab sich Paul Pustet im Alter von 89 Jahren zwar in den Ruhestand. Für Jakob Pustet, in siebter Generation Mitgesellschafter und Mitglied der Geschäftsleitung, gilt das Motto seines Grossonkels jedoch unverändert: «Insbesondere vor dem Hintergrund der sinkenden Buchauflagen müssen wir unseren Maschinenpark laufend anpassen, um den Herausforderungen des Markts gerecht zu werden, die Automation zu erhöhen und die Durchlaufzeiten in der Produktion zu reduzieren.»

Vor Kurzem gross in den Digitaldruck eingestiegen
Das gilt erst recht wegen der zunehmenden Bedeutung des Digitaldrucks. Zwar ist die Friedrich Pustet GmbH & Co. KG schon seit einiger Zeit hybrid unterwegs. So richtig in den Digitaldruck eingestiegen ist sie jedoch erst vor Kurzem mit der Inbetriebnahme einer HP PageWide Web Press T490. «Ich erwarte, dass der Anteil digital gedruckter Produkte in unserem Betrieb in Zukunft bei 50 Prozent liegen wird», sagt Betriebsleiter Florian Hetzenecker.

Weil die beste Digitaldruckmaschine nur halb so viel wert ist, wenn nicht auch das Finishing modernsten technologischen Ansprüchen genügt, investierte die Friedrich Pustet GmbH & Co. KG parallel zur HP PageWide Web Press T490 auch in eine SigmaLine III. Es ist dies eines der letzten Buchproduktions-Systeme dieses Typs, das Müller Martini ausgeliefert hat. Für Jakob Pustet gab es während der Evaluationsphase für die Finishing-Lösung jedoch zu keinem Zeitpunkt Zweifel.

Eine enge Partnerschaft seit über drei Jahrzehnten
«Erstens ist die SigmaLine III, die wir im Print Finishing Center in Zofingen mit eigenen Produkten auf Herz und Niere getestet haben, dank ihrer grossen Variabilität eine hervorragende Maschine», sagt Florian Hetzenecker. «Zweitens kündigte sie Müller Martini ja nicht ab, weil sie sich im Markt nicht bewährt hat, sondern weil es eine Überschneidung mit einer Hunkeler-Lösung gab. Drittens bringt uns Connex nicht nur grosse Vorteile bei der Produktion mit der SigmaLine III, sondern wir werden auch unsere beiden Alegro an das Workflow-System anbinden. Und viertens haben wir grosses Vertrauen in die Müller Martini-Systeme, verbindet unsere Firmen doch seit über drei Jahrzehnten eine enge Partnerschaft.»

Dazu muss man wissen, dass in Regensburg neben der SigmaLine III und den beiden Klebebindelinien Alegro auch eine Buchlinie Diamant MC und drei Fadenheftmaschinen Ventura MC von Müller Martini in Betrieb stehen. «Für uns ist es sowohl im Druckmaschinen- als auch im Weiterverarbeitungs-Bereich extrem wichtig, mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten», sagt Jakob Pustet. «Angesichts der hohen Investitionssummen geht nichts über eine vertrauensvolle Beziehung. Man kennt und schätzt sich und hat einen engen Kontakt. Und wir schätzen auch die schnellen Service-Reaktionszeiten von Müller Martini, wenn wir mal ein Problem haben.»

Zwei Drittel Hardcover, ein Drittel Softcover
Bis 1945 produzierte das bayerische Traditionsunternehmen ausschliesslich für den hauseigenen Verlag. Die vielen auf Lateinisch gedruckten Pustet-Bücher galten jahrzehntelang als Leitwerke für die katholische Kirche und genossen im Vatikan hohes Ansehen. Heute erzielt es 93 Prozent seines Umsatzes auf dem freien Markt – zu zwei Dritteln im Hardcover- und zu einem Drittel im Softcover-Bereich. Jährlich werden rund 8 Millionen Bücher gefertigt.

Für rund 70 Verlage aus den drei deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz druckt und bindet Pustet vorwiegend Belletristik, aber auch Schul- und Fachbücher. Die Auflagen der einzelnen Titel starten bei 100 und gehen bis in Sechsstellige hinauf – bei einem (sukzessive sinkenden) Durchschnittswert von 3000 bis 4000 Exemplaren und zehn verschiedenen Jobs pro Tag.

Druck, Verlag, Buchhandel – die ganze Wertschöpfungskette des Buches
Mitten in der Weltkulturerbe-Stadt Regensburg, die für ihren Dom und den Knabenchor (Regensburger Domspatzen) weltberühmt ist, verfügt die Friedrich Pustet GmbH & Co. KG neben der Druckerei und Buchbinderei auch über einen eigenen Verlag. Dessen Schwergewicht liegt auf Geschichtsbüchern und Werken mit theologischem Hintergrund. Bekannt wurde Pustet auch als Spezialist für die Produktion von Dünndruckbänden. Im 19. Jahrhundert war Pustet der erste Verleger von Karl May («Winnetou»).

Ausserdem verfügt Pustet in sieben bayrischen Städten über elf Buchhandlungen. «Wir decken also die ganze Wertschöpfungskette des Buches ab», hält Jakob Pustet stolz fest. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 380 Mitarbeitende im 5/24-Modus – davon 100 in der Druckerei und Buchbinderei.