«Der Markt ist bei sammelgehefteten Produkten laufend anspruchsvoller geworden»
Als Ersatz für einen Primera MC und einen ST 450 nimmt die Kern GmbH in Bexbach nahe der deutschen Stadt Saarbrücken in diesem Spätsommer zwei neue Sammelhefter Primera PRO von Müller Martini in Betrieb. Damit verbessert das Familienunternehmen seine Marktchancen in mehrerer Hinsicht.
Zwar fertigt die rund 150 Mitarbeitende beschäftigende Kern GmbH auf einem Klebebinder KM 610A jährlich auch rund 4 Millionen Softcover-Produkte. Die Sammelheftung ist jedoch mit rund 40 Millionen – vorwiegend im Offset gedruckten – Exemplaren pro Jahr mengenmässig der deutlich grössere Bereich. Das liegt laut den beiden Firmenbesitzern und Geschäftsführern André und Holger Kern daran, «dass sehr viele unserer Kunden klassische Broschüren, Magazine, Beilagen, Schulungsunterlagen, Industrieunterlagen, Pharma- und Informationsdrucksachen in Rückendrahtheftung einsetzen. Diese Produkte sind häufig schlank, terminkritisch und müssen überaus effizient gefertigt werden.»

Die Brüder André (Mitte) und Holger Kern (rechts) leiten das Familienunternehmen Kern GmbH. Links Volker Keppler (Gebietsverkaufsleiter Müller Martini Deutschland).
In den vergangenen Jahren gewann die Sammelheftung bei Kern gar an Bedeutung. Was laut André Kern «weniger daran liegt, dass Softcover-Produkte unwichtig geworden wären, sondern vielmehr daran, dass der Markt bei sammelgehefteten Produkten laufend anspruchsvoller geworden ist. Die Kunden erwarten heute eine sehr hohe Qualität, sehr kurze Lieferzeiten und gleichzeitig wettbewerbsfähige Preise.»
Von grosser Vielfalt geprägte Produktpalette
Parallel dazu stieg auch die Produktvielfalt stark: unterschiedliche Formate, wechselnde Papierqualitäten, kleine und grosse Auflagen, Sonderanforderungen, Doppelnutzen, Ringösen-Heftung, Kamerakontrollen und sehr genaue Weiterverarbeitung (hohe Umfänge mit guter Schnittqualität und exakte Masshaltigkeit).
Die Produktpalette ist sehr breit und reicht von kleinen Jobs bis hin zu Millionenauflagen. Die Produkte sind stark formatvariabel – von klassischen Broschüren über Schulungs- und Informationsunterlagen bis hin zu Industrie- und Pharmaerzeugnissen. Dabei stellen laut Holger Kern insbesondere Pharma- und Industriekunden hohe Anforderungen an Prozesssicherheit, Wiederholgenauigkeit und Qualität. «Bei solchen Produkten müssen Anleger, Bogenfolge, Vollständigkeit und Weiterverarbeitung sehr zuverlässig kontrolliert werden.»
Typisch für Kern ist, dass in der Sammelheftung nicht nur einfache Standardbroschüren gefertigt werden. Die von grosser Vielfalt geprägte Produktpalette umfasst die unterschiedlichsten Formate und Seitenumfänge, Doppelnutzen-Produktionen, Beihefter, Sticker-/Kartonbogen, verkürzte Produktteile, Ringösen-Heftungen und Produkte mit besonderen Anforderungen an Falz, Beschnitt, Kamerakontrolle und Verpackung. «Mit der Investition in zwei neue Primera PRO schaffen wir die Grundlage, diesen Bereich langfristig auf dem neuesten technischen Stand zu halten und unsere Leistungsfähigkeit im industriellen Drei-Schicht-Betrieb weiter auszubauen», betonen die Brüder.
Fünf Gründe sprachen für den Primera PRO
Für die beiden Müller Martini-Modelle entschieden sie sich Kern aus fünf Gründen.
- Erstens wird im Sammelheftbereich eine sehr hohe industrielle Leistungsfähigkeit benötigt. Denn die Anlagen werden im Dauer-Drei-Schicht-Betrieb eingesetzt. Das bedeutet, dass Maschinenverfügbarkeit, Stabilität und Nettoleistung ausschlaggebend sind.
- Zweitens werden wegen der extrem hohen Produktvielfalt Sammelhefter benötigt, die schnell umgerüstet werden können.
- Drittens spielt die Bedienfreundlichkeit eine grosse Rolle. Kern wird auf den neuen Anlagen gleich ein Dutzend Maschinenführern schulen. Denn für einen wirtschaftlichen Drei-Schicht-Betrieb ist es wichtig, dass nicht nur einzelne Spezialisten die Maschinen beherrschen, sondern dass ein breites Team sicher, reproduzierbar und effizient damit arbeiten kann. Moderne Bedienoberflächen, klare Einstellprozesse und eine gute Wiederholbarkeit von Aufträgen sind deshalb besonders wichtig.
- Viertens will Kern die Weiterverarbeitung langfristig technologisch absichern. «Der Markt verlangt hohe Qualität, sehr kurze Lieferzeiten und wettbewerbsfähige Preise. Das lässt sich nur mit moderner Technik, stabilen Prozessen und hoher Verfügbarkeit erreichen», betont Holger Kern.
- Und fünftens spielten nicht zuletzt die guten Erfahrungen mit dem Primera MC, der ebenso wie der ST 450 in Rente geht, eine Rolle. «Wir kennen die Müller Martini-Technologie aus der täglichen industriellen Produktion und haben damit gute Erfahrungen gesammelt – insbesondere hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Prozesssicherheit und Eignung für anspruchsvolle Produkte. Gleichzeitig war uns bewusst, dass wir den nächsten technologischen Schritt gehen müssen», unterstreichen die Kern-Brüder.
Verbesserte Marktchancen in mehrerer Hinsicht
Die beiden Primera PRO sind nahezu gleich konfiguriert. Einziger Unterschied: Der eine ist neben dem Umschlaganleger mit vier Flachstapelanlegern ausgestattet, der andere mit deren acht. Die kleinere Maschine verfügt trotzdem über sechs Kettenuntergestelle, sodass die Anleger zwischen den beiden Sammelheftern getauscht werden können. Auch Sonderzubehör wie Doppelnutzen und Ringösen-Heftköpfe ist kompatibel. So kann Kern grundsätzlich alle Produkte auf beiden Maschinen fahren.
«Wir entscheiden je nach Auftrag, welche Konfiguration wirtschaftlich am sinnvollsten ist», sagt André Kern. «Kleinere oder einfachere Produkte können auf der kompakteren Anlage laufen, umfangreichere Produkte auf der grösseren. Bei Bedarf können wir aber auch Komponenten tauschen und so sehr flexibel auf die aktuelle Auftragssituation reagieren.»
Der Produktionsstart der beiden neuen Primera PRO ist für den kommenden August und September geplant. Die beiden Firmenbesitzer sind überzeugt, damit ihre Marktchancen in mehrerer Hinsicht zu verbessern: bezüglich höherer Leistungsfähigkeit in einem Markt, in dem kurze Lieferzeiten, Terminzuverlässigkeit und wettbewerbsfähige Preise entscheidend sind, ebenso wie bezüglich anspruchsvoller Produkte und höherer Flexibilität