23.10.2026

Mehr als Drucken und Binden

Die Buchproduktion umfasst deutlich mehr als nur das reine Drucken und Binden. Schon das Coverdesign, aber vor allem auch das Zusammenspiel von Papier- und Umschlagsmaterial, Schriftart sowie die grafische Gestaltung erfordern ein durchdachtes Buchkonzept. Dieses sollte auf den zu publizierenden Inhalt und die jeweilige Zielgruppe abgestimmt sein. Wir haben Verlagshersteller befragt, wie sie die Veränderungen und Trends im Buchmarkt erleben.

Die letzten Jahre haben gezeigt, der Trend geht eindeutig in Richtung hochwertiger Bücher. Das Design, die Covergestaltung und die Aufmachung eines Buches haben einen direkten Einfluss auf den Verkaufserfolg – vor allem im stationären Buchhandel. Aber auch auf #BookTok-Bestsellerlisten geben hochwertig ausgestattete Bücher den Ton an. Gerade in den Genres «New Romance» oder «New Adult» kommt man an einem dreiseitigen Farbschnitt oder einem veredelten Cover nicht mehr vorbei. Das bestätigt auch Bertram Schmidt-Friderichs vom deutschen Verlag Verlag Hermann Schmidt, der früher selbst eine Druckerei geführt hat. «Um heute auf die Bestsellerlisten zu kommen, wird bei der Erstauflage ein dreiseitiger Farbschnitt oder ein geprägtes und am besten noch ein lackiertes Cover vorausgesetzt.»

Der Kampf mit dem Einkauf und dem Controlling
Auch für Johanna Kurz vom österreichischen Brandstätter-Verlag ist die Veredelung entscheidend für den Verkaufserfolg. «Das klassische Hardcover mit Schutzumschlag wird zunehmend abgelöst, viele Verlage setzen auf besondere optische und haptische Überzugsmaterialien. Hier sind der Fantasie absolut keine Grenzen gesetzt», versichert Johanna Kurz. Das Phänomen zeigt sich auch bei sehr opulent gestalteten «Coffee-Table-Books», die heute in Büros und Wohnzimmern als dekorativer Blickfang wirken und zum Blättern einladen. Wobei das Leben von Verlagshersteller*innen teilweise auch ein Kampf mit dem Einkauf oder Controlling ist, das bestätigen unsere Gesprächspartner*innen unisono. «Da werden sieben Cent für die Rückenzeilenprägung gestrichen.»

Unsere Bücher sind Designobjekte
Vincent Illner, Head of Production bei gestalten, erläutert, dass der Verlag bei der Ausstattung seiner Bücher einen Designansatz verfolgt, den man durch unterschiedliche Veredelungsarten zusätzlich noch hervorhebt. Hier hat man Designrichtlinien geschaffen, an dem sich die Ausstattung orientiert, wodurch die Bücher zu einem unverwechselbarem «gestalten Buch» werden. «Unsere Bücher sind nicht nur Bücher, sondern Designobjekte, die sowohl in Europa als auch im Buchhandel in Grossbritannien, den USA und Australien gefragt sind.»

Vincent Illner, Head of Production bei gestalten: «Unsere Bücher sind nicht nur Bücher, sondern Designobjekte.»

 

Ein gutes Beispiel für die Abstimmung der Ausstattung auf das Thema bzw. Cover des Buches ist der Titel «A House in Japan» bei dem das gerippte Bezugsmaterial die Struktur des abgebildeten Gebäudes haptisch unterstützt. «Das sind Details, aber genau die machen den Unterschied.» Spannend sei es auch die knapper kalkulierten Titel so zu gestalten, dass sie im Buchhandel auffallen und gekauft werden. Dabei gilt es, die Balance zwischen Design und Ausstattung zu finden, ohne dabei das Budget zu sprengen.

Markenbildung mit hochwertiger Ausstattung
Bertram Schmidt-Friderichs versichert, dass die Ausstattung der Bücher ein ganz entscheidender Punkt sei in der Markenbildung. Dem Verlag Hermann Schmidt ist es in den letzten 30 Jahren gelungen, eine treue Fangemeinde aufzubauen, die sich etwas Besonderes erwartet und auch bereit ist, dafür zu bezahlen: «Ein haptisch ansprechendes Buch transportiert über die Fingerkuppen ganz unbewusst, dass es sich um etwas Spezielles handelt.» Denn das Auge isst nicht nur mit, sondern liest auch mit, gibt Schmidt-Friderichs zu bedenken und betont gleichzeitig, dass einfach gemachte Bücher einem höheren Substituierungsdruck durch E-Reader ausgesetzt sind.

Bertram Schmidt-Friderichs, Verlag Hermann Schmidt: «Gerade anspruchsvolle Buchprojekte, bei denen sich auch immer wieder etwas ändern kann, sind aus meiner Erfahrung mit regionalen Partnern leichter umzusetzen.»

 

Bei der Auswahl der Produktionspartner legen alle drei Verlage Wert auf kurze Lieferwege. «Einer unserer wichtigsten USPs ist die hochwertige Ausstattung der Bücher, das heisst, die Qualität ist für uns ein entscheidendes Kriterium. Hier finden wir innerhalb der EU die passenden Partner, die unser Qualitätsverständnis umsetzen», versichert Johanna Kurz. Dem stimmt auch Bertram Schmidt-Friderichs in vollem Umfang zu: «Gerade anspruchsvolle Buchprojekte, bei denen sich auch immer wieder etwas ändern kann, sind aus meiner Erfahrung mit regionalen Partnern leichter umzusetzen.» Mit Ausnahme des «Typodarium» und des «Journaling-Kalenders» werden alle Produkte aus dem Hermann-Schmidt-Verlag in Deutschland produziert. «In Europa lassen sich die beiden Kalender preislich nicht darstellen.» Auch gestalten legt grossen Wert auf eine regionale oder europäische Produktion. Vincent Illner zählt hier mehrere Gründe auf: Die Qualität und Flexibilität, die Druckereien bieten, aber auch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe spielen für ihn eine wichtige Rolle. Zudem habe man festgestellt, dass die Kostenersparnis bei einer Produktion in Asien auch nicht mehr so signifikant ist und bei einer Lieferzeit von mehreren Monaten nach der Fertigstellung des Buches geht die Flexibilität verloren, um rasch auf eine gestiegene Nachfrage zu reagieren.

Nachhaltigkeit rückt in den Fokus
Das Thema Nachhaltigkeit ist für den Brandstätter-Verlag von zentraler Bedeutung. «Wir setzen auf qualitativ hochwertige und langlebige Bücher. Dementsprechend beziehen wir einen Grossteil unserer Papiere von Salzer Papier, einem österreichischen Papierhersteller, der ebenfalls grossen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Lieferwege sowohl in der Produktion als in der Auslieferung kurz zu halten, ist einer der grössten Hebel, den wir aktiv beeinflussen können, um die Buchproduktion nachhaltiger zu gestalten», betont Johanna Kurz. In allen Impressen des Verlags Hermann Schmidt wird auf die Umweltzertifizierungen der jeweiligen Druckereien und auf FSC hingewiesen. Das gilt auch für die Bücher des gestalten Verlags. Dabei gehe es aber nicht nur um eine nachhaltige Forstwirtschaft, sondern auch um soziale Aspekte, die FSC abdeckt. Wobei sich Bertram Schmidt-Friderichs auch gerne zu dem einen oder anderen Experiment hinreissen lässt: «Sehr spannend sind etwa Bagasse-Papiere, die aus Zuckerrohrresten bestehen. Dafür gibt es zwar keine Zertifizierung, aber Reste aus der Produktion zu verwenden, ist Nachhaltigkeit pur.»

Book-on-Demand
Das Thema Book-on-Demand schlägt bei dem Wiener Verlag immer wieder auf. Aus der Sicht von Johanna Kurz könnte das in der Zukunft ein interessanter Ansatz sein, um die Titel auf der Backlist am Leben zu erhalten. Durch die positiven Entwicklungen im Digitaldruck lassen sich auch Kleinstauflagen so zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten produzieren. Aktuell gebe es aber keine konkreten Projekte. Der Verlag Hermann Schmidt nutzt den Digitaldruck, um vergriffene Bücher in Kleinauflagen wieder aufzulegen. Eine klassische Book-on-Demand-Produktion über diverse Plattformen habe man sich angesehen, aus verlegerischer Sicht würde sich das aber bei den Qualitätsansprüchen nicht rechnen, gibt Bertram Schmidt-Friderichs zu bedenken.

Fazit
Das gedruckte Buch behauptet sich über Qualität, Gestaltung und Nachhaltigkeit. Wer in eine hochwertige Ausstattung investiert, stärkt seine Marktposition – und macht das Buch zu dem, was digitale Formate nicht leisten können: ein haptisches, wertiges Kulturobjekt mit einer starken emotionalen Bindung.

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