11.09.2026

Wenn der Beruf auch Hobby ist

Der 66-jährige Nicola Bologna verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung in der grafischen Industrie. Seine Karriere begann er in den 80er-Jahren als Entwickler bei einem Unternehmen, das Veredelungslösungen für den Digitaldruck anbot. Heute ist er Product Manager Web Inspection Solutions bei Müller Martini. In diesem Blog verrät er, warum sein Beruf gleichzeitig auch sein Hobby ist und warum die Bahninspektion WI8 von Hunkeler insbesondere für die Kontrolle im Digitaldruck von Beipackzetteln für Arzneimittel ein absolutes Muss ist.

Ich habe keinen familiären Hintergrund in der grafischen Industrie. Mein Traumberuf als Kind war Kampfflieger. Daraus wurde zwar nichts, aber die Liebe zum Fliegen blieb mir im Blut. Nachdem ich in meiner Jugend eine Zeit lang Parasailing betrieben hatte, machte ich den Privatpilotenschein, um einmotorige Flugzeuge zu fliegen. Ausserdem fliege ich gerne kleine Drohnen. Was meinen Beruf angeht, habe ich trotzdem das Gefühl, meinen Traum zu leben, da ich mich schon seit der Oberschule für Elektronikdesign und Softwareprogrammierung begeistert habe – ich fühle mich sehr glücklich, dass mein Beruf gleichzeitig mein Hobby ist.

Seit den 80er-Jahren in der grafischen Branche
In der Druckindustrie arbeite ich seit Ende der 80er-Jahre. Nach früheren Erfahrungen in der Elektronikentwicklung und Softwareprogrammierung entwickelte ich für ein italienisches Unternehmen, das seine typografische Erfahrung mit elektronischer Automatisierung kombinierte und Veredelungslösungen für den Digitaldruck anbot. Ich entwarf massgeschneiderten Maschinensteuerungen und die in diesen Systemen verwendeten Elektronikplatinen (Hauptsteuerung, Achsensteuerungen, E/A-Schnittstellen) sowie die dazugehörige Firmware. Dieses Unternehmen war damals ein lokaler Konkurrent zur aufstrebenden Hunkeler AG war, sie ist heute jedoch nicht mehr im Geschäft.

Eines meiner ersten interessanten Projekte im Bereich der Papierweiterverarbeitung für den Digitaldruck war eine Vor- und Nachverarbeitungsanlage für einen IBM 3827-Einzelblattdrucker, bei der ein anthropomorpher Yaskawa-Roboterarm (sechs Bewegungsfreiheitsgrade), der bei Bedarf automatisch A4-Papierstapel in die Zuführfächer des Druckers lud sowie die gedruckten Broschüren vom Ausgabestapel entnahm und diese bei weniger als 25 Blatt durch Heften oder bei mehr als 25 Blatt durch Heisskleben am Rücken zusammenheftete, bevor er sie direkt auf einen Wagen stapelte.

Diese Maschine wurde im Oktober 1989 auf der XPLOR-Messe im amerikanischen Nashville in Zusammenarbeit mit IBM an deren Stand vorgestellt. Das Konzept wurde zwar patentiert, führte jedoch nie zu einem fertigen Produkt – wahrscheinlich, weil es für die damalige Zeit zu fortschrittlich war. Ehrlich gesagt: Wenn ich heute die Begeisterung rund um die aktuellen COBOTs sehe, muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, dass wir diesen Weg bereits vor mehr als 35 Jahren eingeschlagen haben…

Pionier für Bahninspektionen
Anfang der 90er-Jahre war ich an einem für damalige Verhältnisse grossen Transaktionsprojekt beteiligt. Die italienische Telecom gestaltete ihren Abrechnungsprozess komplett neu und verwendete als erstes Unternehmen in Europa das brandneue Siemens Nixdorf 2140 Twin-Duplex-Drucksystem – ein NDX-Toner-basiertes System mit von Siemens patentierten Laser-LED-Köpfen – für ihre neue dynamische Rechnungsstellung. Davon wurden rund 30 Produktionslinien eingesetzt. Dieses Projekt war der Beginn des ersten vollständig integrierten Systems zur Überprüfung der Produktionsintegrität und zur Überwachung und Nachverfolgung, das jede produzierte Seite und jedes Dokument über den gesamten Produktionszyklus hinweg kontrollierte – einschliesslich einer dynamischen Aussortierfunktion am Ausgang der Kuvertiermaschinen, damit fehlerhafte Dokumente aussortiert und zum Neudruck gemeldet werden.

Anfang 1997 begannen wir auf Anfrage der Telecom mit der Überprüfung der Produktionsqualität, insbesondere des dynamischen Farbbereichs. Wir entwickelten in Zusammenarbeit mit einem externen Unternehmen, das über umfangreiche Erfahrung im Bereich der Bildverarbeitung des ersten Bahninspektionssystems verfügte, das erste Bahninspektionssystem. Ende 1997 testeten wir die ersten Prototypen dessen, was heute als Bahninspektion WI8 bekannt ist. Sowohl die Tracking- als auch die Inspektionslösungen wurden seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert.

Vor 20 Jahren zu Hunkeler
2006 startete ich meine Karriere bei Hunkeler – zunächst als Teil eines Partnerunternehmens, das Lösungen für die Bahninspektion und -verfolgung entwarf, entwickelte und produzierte. Ab 2011 war ich Angestellter im italienischen Team, als unsere Abteilung von Hunkeler übernommen wurde. Ich entwickelte Lösungen für die Bahninspektion und -verfolgung und wechselte 2014, als das italienische Team von einer eher eigenständigen Geschäftseinheit vollständig in die Hunkeler-Organisation integriert wurde, in die Rolle des Product Managers für Bahninspektions- und -verfolgungslösungen. Als Müller Martini Hunkeler übernahm, behielt ich meine Rolle als Product Manager für Bahninspektionslösungen bei.

Ich liebe technische Herausforderungen, und die Lösungen – insbesondere das Bahninspektionssystem – haben sich im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt, um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben und auch viele anspruchsvolle Anforderungen zu erfüllen, die aus sehr komplexen Projekten weltweit stammen.

Beeindruckt vom hohen Automatisierungsgrad
Ich finde es faszinierend, wie sich die Druckindustrie im Laufe der Jahre vom analogen Offsetdruck hin zu immer mehr Digitaldruck gewandelt hat. Es ist beeindruckend, die Entwicklung der Weiterverarbeitungsmaschinen zu beobachten, wie zum Beispiel die neueste Starbook BD8-Buchlinie, die in der Lage ist, einen kontinuierlichen Papierstrom, der mit 250 Meter pro Minute gedruckt wird, in Buchblöcke umzuwandeln. Diese werden am Ende der Maschine in Abständen von weniger als zwei Sekunden perfekt rechtwinklig zugeschnitten, treten sortiert aus und gelangen schliesslich direkt in den nachfolgenden Müller Martini-Bindungsprozess. Der erreichte Automatisierungsgrad ist beeindruckend, und es ist klar, warum angesichts der hohen Nachfrage nach Qualitätsprodukten in einer derart automatisierten Hochgeschwindigkeits-Umgebung die Druckqualitätskontrolle in Echtzeit sowie die Überwachung und Nachverfolgung der Produktionsintegrität eine unumgängliche Anforderung sind.

Müller Martini ist nun mit dem Hunkeler-Produktportfolio das einzige Unternehmen, das ein komplettes Set nativ integrierter Lösungen für solch anspruchsvolle Produktionsabläufe anbieten kann – von den weissen Papierrollen bis hin zu den fertigen gebundenen Büchern sowie für viele andere komplexe Weiterverarbeitungs-Anwendungen in der grafischen Industrie.

Jahrelang selber für Bahninspektionen im Einsatz
Meine heutige Kernaufgabe ist das von mir betreute Produkt Web Inspection mit der dazugehörigen Dokumentation und den Marketinginformationen. Dabei behalte ich die Produktentwicklung im Blick und plane sie auf der Grundlage von Anforderungen aus dem Markt, dem Einsatzbereich, von Partnern und Kunden. Zudem habe ich ein Auge auf kommende technologische Entwicklungen, die die Lösung leistungsfähiger, genauer, intelligenter und benutzerfreundlicher machen können.

Ausserdem bin ich für das technische Management wichtiger OEM-Projekte im Bereich der Bahninspektion mit einigen unserer Druckmaschinenpartner zuständig und unterstütze unsere Entwicklungsabteilung bei der Umsetzung neuer Anforderungen seitens der Kunden und der damit verbundenen Herausforderungen. Mehrere Jahre lang habe ich selber Bahninspektionen vorgenommen und viele Kundenprojekte weltweit direkt vor Ort begleitet. Seit meinem Wechsel ins Product Management habe ich diese Aufgaben jedoch nach und nach unseren Systemspezialisten übertragen.

Die Bahninspektion ist ein System, das sich optimal in den Druckprozess einfügt und direkt in die Druckwerke integriert werden kann. Hierzu verfügen wir über zertifizierte Integrationen in Druckwerke von Canon, HP und Ricoh. Wir bieten aber auch eine externe Standalone-Lösung an, die typischerweise im Papierlauf der Produktionslinie direkt hinter dem Drucker installiert wird.

Für Beipackzettel ein absolutes Muss
Bahninspektionen sind enorm wichtig. Denn angesichts der permanent steigenden Produktivität, verbunden mit immer höheren Geschwindigkeiten im Digitaldruck und in der Weiterverarbeitung, ist es unmöglich geworden, die Produktqualität und -integrität zu überprüfen und unter Kontrolle zu halten, ohne automatisierte Geräte wie die WI8-Bahninspektion und das HCP-Tracking einzusetzen. Diese sind in der Lage, die Produktionsqualität und -integrität in Echtzeit Seite für Seite, bei jeder einzelnen Seite, zu überwachen. Inspektion und Nachverfolgung werden in vielen Anwendungsbereichen zum absoluten Muss – wie zum Beispiel beim Druck für Arzneimittel, der zu den anspruchsvollsten Anwendungen in der gesamten Druckindustrie zählen.

Das bedruckte Papier ist aussergewöhnlich dünn, der Text ist klein und oft in nicht-lateinischen Schriften gesetzt, und die Produktion muss mit voller Geschwindigkeit laufen. Die gesetzlich vorgeschriebene 100-prozentige Prüfung ist keine Stichprobenkontrolle. Jede Packungsbeilage erfordert einen lückenlosen, nachprüfbaren Nachverfolgungsweg vom Druckvorlagendesign bis zum fertigen Produkt.

Nahtlose Integration
Hunkelers Antwort darauf ist kein einzelnes Gerät, sondern eine komplette Qualitätskette. Die Bahninspektion WI8 überprüft jede gedruckte Packungsbeilage vollflächig und pixelgenau anhand eines validierten Referenzmusters («Golden Sample»). Sie erkennt selbst auf den leichtesten Pharmapapieren Fehler bis in den Submillimeterbereich zuverlässig. Da die Inspektion pixelbasiert ist, funktioniert sie gleichermassen gut bei lateinischen, kyrillischen, thailändischen, chinesischen, japanischen und arabischen Schriften sowie bei Bildern und Illustrationen – sowohl in Schwarz-Weiss als auch in Vollfarbe. Das HCP-Tracking identifiziert jede Packungsbeilage anhand einer eindeutigen Kennung und verfolgt sie durch jede Produktionsstufe, wodurch der von den Aufsichtsbehörden geforderte Prüfpfad auf Einzelstückebene erstellt wird.

Die Weiterverarbeitungsanlagen von Hunkeler – Schneiden, Stapeln und Falzen – lassen sich nahtlos in die Inspektion und Nachverfolgung integrieren. Sie leiten nicht konforme Exemplare automatisch und ohne Eingreifen des Bedieners in den Ausschussbehälter um und generieren schliesslich Nachdrucke, um die Bestellungen vollständig zu halten. Das Ergebnis ist eine einheitliche, kohärente Qualitätsumgebung statt eines Flickenteppichs aus Übergaben zwischen verschiedenen Anbietern.

Ein äusserst flexibles Gerät
Die WI8-Bahninspektion ist ein äusserst flexibles Gerät, das modernste CIS-Scanner nutzt, um gedruckte Bilder in Vollfarbe und hoher Auflösung (600 DPI) zu erfassen – auch bei Druck mit variabler Seitenlänge (DynaScan). Dabei erfolgt die Synchronisation direkt mit den gedruckten Seiten aus dem kontinuierlichen Bildstrom der Scanner (DirectSync), wodurch jede einzelne gedruckte Seite in ihrer vollen Breite und Länge erfasst wird, sogar mit optionalem OverScan.

Mit diesen Funktionen kann die Bahninspektion automatisch prüfen, dabei jedes erfasste Bild der letzten 30 Minuten der Produktion aufzeichnen und wiedergeben, mögliche erkannte Fehler zur Überprüfung durch den Bediener anzeigen und bei Bedarf solche aufgezeichneten Bilder optional in einem externen Speicher für Zertifizierungszwecke oder zur späteren Auswertung in Kombination mit der Tracking-Lösung archivieren.

Vom Beruf zum Hobby
Am Ende eines anstrengenden Arbeitstages lege ich die Arbeit an technischen Herausforderungen im Bereich der Geschäftsanwendungen beiseite und beginne, an privaten Elektronik- und/oder Softwareprojekten zu basteln. So habe ich beispielsweise einen massgeschneiderten MIDI-Fussschalter mit zehn Pedalen und nur mit einem kleinen Arduino-Controller für meine Tochter – sie ist Musikerin, Sängerin und Songwriterin und kommt manchmal mit ganz individuellen Wünschen für ihre Bühnenauftritte zu mir – entworfen und selber gebaut.

 

Ihr
Nicola Bologna
Product Manager, Web Inspection Solutions Müller Martini

Zurück zur Übersicht