Ich wollte mit 55 beruflich nochmals Gas geben
28 Jahre arbeitete Dieter Altenbach bei Müller Martini. Mit 55 wagte er eine neue berufliche Herausforderung und wurde nach dem Zusammenschluss von Müller Martini mit Hunkeler Chief Technology Officer bei der Hunkeler AG. Lesen Sie in diesem Blog, was den gelernten Elektroniker zum Stellenwechsel bewog, was seine neuen Herausforderungen sind und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen den beiden Weltmarktführern in der grafischen Branche gibt.
Einen Traumberuf hatte ich in meiner Kindheit nicht wirklich. Ein Schulkollege machte mich jedoch darauf aufmerksam, wie cool der Job als Elektroniker sei. Also schaute ich mich gar nicht nach Alternativen um, sondern absolvierte nach der Bezirksschule bei der EAO in Olten, dem Marktführer in vielen Bereichen für Human-Maschine-Interface-Produkte, eine vierjährige Elektroniker-Ausbildung. Noch heute ist für mich klar: Mein Schulkollege hat zu 100 Prozent ins Schwarze getroffen. Elektroniker ist bis heute mein Traumberuf, und ich würde diesen jederzeit wieder ergreifen.
«Mach das, wenn Du weiterkommen willst!»
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung absolvierte ich an der damaligen HTL und heutigen Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch ein dreijähriges Vollzeitstudium als Informatik-Ingenieur. Dabei hatte ich zwei Ziele: Erstens wollte ich mich in technischer Software spezialisieren und zweitens in die Maschinenindustrie gehen. Später machte ich noch ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft, um meine Kenntnisse zu vertiefen.
Mein Vater, der Techniker war und auf dessen Spuren ich beruflich bis heute wandle, ermunterte mich stets zu Weiterbildungen. «Mach das, wenn Du weiterkommen willst!», pflegte er jeweils zu sagen. Motivierend war für mich auch, dass ich das HTL-Studium gemeinsam mit einem guten Kollegen absolvierte. Zusammen mit ihm nahm ich danach bei Daetwyler in Bleienbach meine erste Stelle als Softwareentwickler an. Dabei kam ich erstmals in Kontakt mit der grafischen Branche. Denn Daetwyler war darauf spezialisiert, Tiefdruckzylinder mittels Laser zu bearbeiten, was wesentlich effizienter war als die Bearbeitung mit einem Diamantstichel.
Erste Touchscreen-Bedienung
1996 wechselte ich dann nach einer Blindbewerbung zu Müller Martini. Da ich damals im Nachbarort Oftringen wohnte, war mir das Zofinger Familienunternehmen natürlich ein Begriff. Bei Müller Martini begann ich als Software-Entwickler Sammelheftung und konnte als erstes die Windows-Bedienung für das Voreinstellsystem AMRYS bei den Modellen Prima/Bravo entwickeln. Im Anschluss durfte ich für den Sammelhefter Optima die erste Touchscreen-Bedienung bei Müller Martini programmieren. Eine Basis, die im Nachfolgemodell Primera und in der Müller Martini Automation Platform noch heute Anwendung findet.
Später wurde ich Projektleiter, Teamleiter und Abteiteilungsleiter Steuerungen. Während all der Jahre schätzte ich das ausgezeichnete Arbeitsklima bei Müller Martini. Markenzeichen des Unternehmens ist der respektvolle Umgang miteinander – sowohl unter Kollegen als auch mit Vorgesetzten. Besonders gefiel mir zum einen, dass man sich entfalten und eigene Ideen einbringen kann, und zum andern, dass es permanent neue Herausforderungen gab. So kam ich beispielsweise anlässlich des Softcover-Transfers von Felben nach Zofingen auch in Kontakt mit der Welt der Klebebinder.
Mein Job bei Müller Martini ermöglichte mir auch eine gute Work-Life-Balance. Der Job war mir natürlich sehr wichtig, aber ich hatte stets genügend Zeit für meine Familie, für Hobbys (ich bike und spiele Tennis) und für die Dorfpolitik (ich war 2017 bis 2024 Gemeinderat in meinem Wohnort Vordemwald).
Ein äusserst vielfältiges und abwechslungsreiches Aufgabenspektrum
Wenn ich von Müller Martini in der Vergangenheit rede, dann hat dies einen einfachen Grund. Im vergangenen September wechselte ich nach dem Zusammenschluss mit Müller Martini zur Hunkeler AG. Und zwar nicht etwa, weil es mir in Zofingen nicht mehr gefallen hätte, sondern weil mich mein Vorgesetzter Roland Kost anfragte, ob ich in Wikon den Job des Technikleiters übernehmen wollte. Und so bin ich heute bei Hunkeler – wie die Position offiziell heisst – Chief Technology Officer, führe rund 50 Mitarbeitende (darunter sieben Teamleiter) und bin Mitglied der vierköpfigen Geschäftsleitung.
Was macht denn ein Chief Technology Officer den ganzen Tag?, werden Sie sich vielleicht fragen. Nun, erstens ist kein Tag gleich wie der andere. Zweitens ist mein Aufgabenspektrum äusserst vielfältig und abwechslungsreich. Es reicht von Software über Mechanik, Elektrohardware und die Entwicklungswerkstatt (für Tests und Versuche) bis hin zur technischen Dokumentation. Dabei bin ich für die Methodik, Infrastruktur, Technologie und Personalrekrutierung verantwortlich. In der Geschäftsleitung bin ich das Bindeglied zwischen dem Management und der technischen Entwicklungsabteilung und leiste meinen Beitrag zur Sicherstellung der strategischen Ziele.
Hunkeler und Müller Martini gestalten Arbeitsplätze
Der Karrieresprung ist für mich nicht nur eine grosse Herausforderung, sondern auch eine Riesenchance. Es war nie mein Ziel, mich im Hinblick auf die Pension zurückzulehnen. Deshalb war der Stellenwechsel für mich eine ausgezeichnete Möglichkeit, mit 55 nochmals Gas zu geben.
Mich beeindruckte an den grafischen Anlagen schon immer der Prozess. So beispielsweise bei den hochmodernen Smart-Factory-Lösungen: PDF in, Book out – schlicht faszinierend. Mir gefällt auch, dass Hunkeler und Müller Martini bei den Kunden Arbeitsplätze gestalten. Mit unseren hochmodernen und attraktiven Bedienkonzepten tragen wir dazu bei, dass sich computeraffine junge Leute für unsere Branche interessieren. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist das ein wichtiger Aspekt.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Natürlich habe ich – insbesondere auf technischer Ebene – immer noch regelmässige Kontakte mit früheren Kollegen von Müller Martini. So gibt es im Rahmen des Group Engineerings periodische Meetings zwischen Hunkeler und den Spezialisten der beiden Müller Martini-Werke in Zofingen und Rahden, um die Synergien zwischen den Firmenstandorten weiterhin zu optimieren. Und schliesslich gibt es ja kaum Smart-Factory-Anlagen, die nicht Systeme von Hunkeler und Müller Martini beinhalten.
Inwiefern ähneln sich die Unternehmenskulturen der beiden Firmen?, ist eine zweite Frage, mit der ich ab und zu konfrontiert werde. Weil beides Familienunternehmen sind, gibt es natürlich viele Gemeinsamkeiten. Doch ich stellte schnell auch gewisse Unterschiede fest. So ist Hunkeler deutlich kleiner und taktet deshalb etwas mehr. Was ich damit meine: Die Wege sind bei Hunkeler noch kürzer als bei Müller Martini.
Wir verfolgen das gleiche Ziel
Aber eines steht für mich ausser Frage: Die beiden Unternehmen können enorm voneinander profitieren – seit dem Zusammenschluss noch viel mehr als vorher. Wir tauschen uns regelmässig aus und können unser auf beiden Seiten sehr grosses Know-how zusammenlegen. Für uns in der Technik ein Game-Changer. Und das Ziel ist für uns alle das gleiche: unseren weltweiten Kunden die modernsten und effizientesten Lösungen für die Weiterverarbeitung von Druckprodukten zu bieten.
Ihr
Dieter Altenbach
Chief Technology Officer Hunkeler AG