Künstliche Intelligenz – ein Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit
Die Zukunft der Druckbranche liegt in der nahtlosen Vernetzung vom Kunden bis ins Lager und zurück, und in der intelligenten Datenanalyse und der Implementierung KI-basierten Anwendungen. Mit Hilfe der KI kann die Qualität und Effizienz einzelner Prozessschritte optimiert und automatisiert werden. Gleichzeitig lassen sich Ressourcen einsparen und auch neue Geschäftsfelder erschliessen.
Die wirtschaftliche Situation in der grafischen Industrie ist schon seit vielen Jahren angespannt. Besonders die Digitalisierung in der Medienlandschaft hat der Druckbranche ordentlich zugesetzt. Anzeigenbudgets wurden im grossen Stil auf digitale Kanäle umgeschichtet. Meta, Google und Co. sind hier die grossen Gewinner und streifen etwa 80 Prozent der Werbeausgaben im Internet für sich ein. Aufgrund dessen ist im Akzidenz- aber auch im Zeitungsdruck das Druckvolumen stark zurück gegangen. Ein klarer Indikator dafür, sind die rückläufigen Absatzmengen an Papier. Seite 2019 ist der Absatz an gestrichenen und ungestrichenen Papieren alleine in Westeuropa fast um die Hälfte zurückgegangen – Tendenz weiter fallend. Der zu «bedruckende Kuchen» ist kleiner geworden, der Wettbewerb härter. Zusätzlich sind die Energiepreise massiv in die Höhe geklettert, was sich direkt auf die Kosten für Papier und Verbrauchsmaterialien auswirkt, sowie der zunehmende Fachkräftemangel. Aber auch die aktuelle geopolitische Lage trägt zur allgemeinen Verunsicherung bei.
Eine auf Effizienz getrimmte Produktion
Trotz dieser Herausforderungen gibt es durchaus Betriebe, die sich in diesem anspruchsvollen Umfeld behaupten können. Was dieses Unternehmen vereint, ist eine klare Positionierung, eine gezielte Marketing- und Vertriebsstrategie und eine vernetzte und auf Effizienz getrimmte Produktion. Darüber hinaus haben sie ihr Angebots- und Dienstleistungsspektrum ausgebaut. Denn entlang der gesamtem Wertschöpfungskette gibt es neue Möglichkeiten, etwa durch digitale Erweiterungen. Und genau an dieser Stelle kommt die Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel.
Mit Hilfe der KI kann die Qualität und Effizienz einzelner Prozessschritte optimiert und automatisiert werden. Gleichzeitig lassen sich Ressourcen einsparen und auch neue Geschäftsfelder erschliessen – etwa im Grafikdesign oder der Erstellung digitaler Medien. Das Potenzial, das mit KI verbunden ist, ist riesig und reicht von gezielten Marketing- und Vertriebsaktivitäten über die Gestaltung und Produktion von Drucksorten bis hin zu proaktiven Service-Konzepten. Grundlage sind Algorithmen, die durch maschinelles Lernen Muster erkennen und daraus eine Handlung ableiten – mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.
Es ist zum Beispiel sinnvoll, die im ERP-System gespeicherten Daten mit einem KI-Tool zu durchforsten und herauszufinden, was der Kunde tatsächlich braucht, was bei der Preisfindung für einzelne Kunden wichtig ist und wie hoch die Abschlusswahrscheinlichkeit ist. Welche Faktoren spielen dafür eine Rolle – Preis, Liefertermin, Produktmix, Kundenbeziehung? Die KI kann auch den Kundensupport – etwa durch Chatbots – unterstützen. Binnen weniger als drei Monaten sollen solche KI-Modelle individuell auf die Situation der jeweiligen Druckerei hin optimiert und einsatzfähig sein, heisst es vonseiten verschiedener KI-Berater.
KI schafft neue visuelle Welten
Besonders sichtbar wird das Potenzial von KI in der Content-Erstellung und Bildbearbeitung. Zur Recherche oder zum Redigieren von Texten gehört KI heute bereits in vielen Redaktionen zum Alltag. Auch im Grafikdesign ist KI längst etabliert. Bilddatenbanken sind voll mit KI-generierten Bildern und Design-Plattformen wie Canva, Visacreate oder Figma unterstützen KI-Anwender bei der Gestaltung von Logos, Bannern, Visitenkarten oder Plakaten. Freisteller oder die Erweiterung eines Hintergrunds werden heute mit Hilfe der generativen KI per Maus-Click erledigt. Und wenn man die richtigen Prompts formuliert, kann man im Handumdrehen neue Bildwelten schaffen. Die Adobe Cloud etwa steckt voller KI-Tools, die auf die Content-Generierung und das kreative Composing ausgerichtet sind. Weitere interessante Tools zur Bildgenerierung sind DALL-E, Midjourney oder Stable Diffusion, wobei auch hier die Bilder laufen gelernt haben, und das Internet voll ist mit KI-generierten Videos.
Die Alarmglocken schrillen
Auch im Prepress-Workflow hat sich die KI mittlerweile breit gemacht. Sie kann Vorschläge liefern, wie etwa der CMYK-Farbraum mit einer oder mehreren Zusatzfarben erweitert werden kann, um so das Thema Sonderfarben in den Griff zu bekommen. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Optimierung des Bogenausschuss, denn gerade bei unterschiedlichen Formaten und Papiersorten steigt die Komplexität extrem an. KI findet auf Basis des bestehenden Auftragspools den passenden Ausschuss, um das Bogenformat optimal auszunutzen. Die Online-Drucker haben gezeigt, wie das geht und auf der «Sammelform» ihr Geschäftsmodell aufgebaut. In Zukunft wird eine KI-gestützte Workflow-Software auch selbst entscheiden, welches Druckverfahren am effizientesten und kostengünstigsten ist und darauf aufbauend alle notwendigen Schritte bis zum Druck einleiten.
Autonomes Drucken braucht KI
Egal ob bei analogen oder digitalen Druckverfahren, an KI kommt man nicht vorbei, um die Prozesse zu optimieren. Durch die Einbindung der Maschinen in eine cloudbasierte Workflow-Lösungen erhält der Drucker direkt am Leitstand basierend auf dem Papier, dem Bogenformat, den Farben usw. die optimale Auftragsabfolgen für seine Schicht. So lassen sich Rüstzeiten und Makulaturen deutlich reduzieren. Eine umfassende Vernetzung, am besten über die gesamte Produktion, ist dafür die Grundvoraussetzung. Das ERP-System bildet hier den Dreh-und-Angelpunkt. Die Auswertung der anfallenden Maschinendaten ermöglicht internes und externes Benchmarking – und liefert wertvolle Hinweise, wo Optimierungspotenzial besteht.
Präventives Service
Durch kontinuierliche Analyse der Maschinendaten, die man in einer Druckerei vom CTP-System bis zum Sammelhefter findet, können präventive Wartungskonzepte in der Praxis umgesetzt. Dazu braucht es Big-Data-Anwendungen, die über die Cloud laufend mit neuen Daten versorgt werden, und so «Machine Learning» (ML) ermöglichen. Defacto lernt die KI aus jeder Störung und derer Behebung um Technik verfügbar zu halten und Service-Einsätze gezielt zu planen – ein Gewinn für beide Seiten. Auch bei Müller Martini kommt KI im Servicebereich verstärkt zum Einsatz. Mit einer Know-how-Datenbank aus historischen Serviceeinsätzen und konkreten Kundenanfragen werden Servicetechniker durch die KI unterstützt, um schneller das Anliegen der Kunden zu lösen.
Darüber hinaus denkt Müller Martini über die Maschine hinaus – etwa in Richtung Workflow-Management und Lagerhaltungskonzepte. Mit dem eigenen Connex ist Müller Martini hier bestens gerüstet, um das Potenzial von KI über die gesamte Wertschöpfungskette zu nutzen.
Die Druckbranche steht unter Druck – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch wer die Chancen der Künstlichen Intelligenz erkennt und gezielt nutzt, kann nicht nur Prozesse optimieren, sondern auch neue Wege beschreiten. KI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern längst Realität – und ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen.
Ihr Knud Wassermann