29.11.2022 / Volker Leonhardt

Die Corona-Pandemie beschleunigte den Digitaldruck

Wenn die Corona-Pandemie – in Kombination mit den grossen Herausforderungen bei den Lieferketten – in der grafischen Branche eine positive Auswirkung hatte, dann sind es die steigenden Volumen im Digitaldruck. Gemäss einer Studie stieg weltweit die Zahl der digital gedruckten Seiten von 2020 auf 2021 um 18 Prozent. Parallel dazu wuchs der Umsatz mit Tinte um 17 Prozent, waren Inkjet-Druckmaschinen um 11 Prozent besser ausgelastet, und pro Seite wurde 4 Prozent mehr Inhalt gedruckt.
 
Ich gebe offen zu: Die Dimension dieser Wachstumszahlen hat auch mich überrascht. Zwar hörte man schon seit längerer Zeit von den immensen Wachstumschancen des Digitaldrucks, dass die Entwicklung aber nun so rapide stattfand, verblüfft doch sehr. Die positiven Zahlen basieren zum einen auf einer Steigerung im Direct-Mail-Geschäft (Stichworte: personalisierte Werbung und individuell angepasste QR-Codes). Von 2020 bis 2021 wuchs die Zahl der weltweit digital gedruckten Direct-Mail-Seiten von rund 75 auf 160 Milliarden. Experten gehen davon aus, dass 2027 die 300-Milliarden-Grenze deutlich überschritten wird – was innerhalb von nur sieben Jahren einer Vervierfachung des Volumens entspricht.
 
Der lokale Buchdruck hat an Bedeutung gewonnen
Zum andern profitierte auch der Buchmarkt vom Wachstum im Digitaldruck-Segment. Je nach Quelle wurden beispielsweise in den USA 2021 zwischen 8 und 16 Prozent mehr gedruckte Bücher verkauft – wovon ein schöner Teil auf den Digitaldruck entfällt. Dieses Wachstum hat mehrere Gründe. Es ist zweifellos auf eine gewisse TV-Ermüdung und Lesen auf Tablets oder Mobiltelefonen zurückzuführen. Ich erinnere jedoch auch an den zunehmenden Erfolg von Self-Publishern. Viele Bücher können heutzutage überhaupt erst auf den Markt kommen, weil beim Digitaldruck das Verlagsrisiko – will heissen: die kapitalträchtige Erstauflage – entfällt.
 
Es hat aber auch damit zu tun, dass die Unterbrechung der Lieferketten die Beschaffung von in Asien gedruckten Büchern verteuert hat. So stiegen die Kosten für Containertransporte 2021 um das Drei- bis Vierfache, und Verzögerungen in der Verschiffung machen es oft unpraktisch, Bücher in Asien zu produzieren zu lassen. Deshalb hat der lokale Buchdruck in den USA und in Europa wieder an Bedeutung gewonnen. Und wegen der begrenzten Verfügbarkeit von Offsetdruckmaschinen profitierte die Inkjet-Technologie vom Wachstum des Buchmarkts.
 
Die Kunden wollen die Bücher schnell
Kommt hinzu, dass die Verlage ihre Lagerbestände so weit wie möglich herunterfahren, um ihre Kosten zu reduzieren. Zudem können Nachdrucke und Backlist-Titel nur im Digitaldruck kosteneffizient hergestellt werden. Ausserdem trägt der On-Demand-Druck von Büchern einen wesentlichen Beitrag zur Ressourcen-Schonung bei. Denn es wird nicht auf Halde produziert, es müssen keine nicht verkauften Bücher zerstört werden, und es fallen keine Lagerhaltungskosten an.
 
Dass in den USA mittlerweile ein wesentlicher Anteil aller Bücher bei Amazon bestellt und beim global agierenden Online-Versandhändler digital gedruckt wird, hat natürlich auch Auswirkungen auf die klassischen Buchhändler. Weil sich die Kunden gewohnt sind, dass Bücher innerhalb von einem oder zwei Tagen nach Hause geliefert werden, werden auch in Buchhandlungen gekaufte Bücher immer häufiger on Demand digital gedruckt.
 
Automatisierung als Antwort auf den Fachkräftemangel
Ein weiteres Argument spricht für den Digitaldruck: Der immense Fachkräftemangel dehnt sich zu einer globalen Herausforderung aus. Weil es in unserer Branche immer schwieriger wird, qualifizierte Fachkräfte zu finden, gibt es nur eine Devise: Automatisierung. Die Smart Factory wird deshalb weiter an Bedeutung gewinnen. Händische Eingriffe werden minimiert, der Produktions-Workflow von der Digitaldruckmaschine bis zur Fertigung automatisiert. Mit unseren Finishing 4.0-Lösungen sind wir von Müller Martini deshalb voll im Trend!
 
Die Corona-Krise hat also nicht nur das Leben vieler Menschen durcheinandergebracht, sondern auch das Wachstum des Digitaldrucks in einer Weise beschleunigt, die kaum jemand vorhergesehen hat. Der Mangel an Arbeitskräften, die Instabilität der Papierlieferketten und die damit verbundenen steigenden Papierkosten sowie die Automatisierung treiben den Druck mehr denn je in Richtung Inkjet-Technologie. Für mich ist deshalb klar: Wenn wir in ein paar Jahren auf die Pandemie zurückblicken, werden wir diese als Digitaldruck-Beschleuniger sehen.
 
Ihr
Volker Leonhardt,
Marketing & Sales, Member of the Executive Board, Müller Martini
 
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29.11.2022 Volker Leonhardt Leiter Marketing & Verkauf Müller Martini Druckverarbeitungs-Systeme AG