Wir haben kein Ablaufdatum auf unserer Verpackung
Regelmässige Investitionen in neue Maschinen – wie in diesem Sommer in den Dreischneider Solit PRO von Müller Martini – sind das eine Erfolgsrezept der Buchbinderei An der Reuss AG in Luzern. Ebenso wichtige Eckpfeiler sind für den innovativen Familienbetrieb aber auch eine nachhaltige Firmenphilosophie – von der tiefen Personalfluktuation über die hohe Beratungskompetenz, einer vorbildlichen Energieeffizienz bis hin zu langjährigen Kundenbeziehungen.
Sechs Jahre ist es her, da entschied sich An der Reuss für eine wegweisende Investition. Die traditionsreiche Buchbinderei, deren Wurzeln ins Jahr 1946 zurückgehen und die sich seit 2002 im Besitz der Familie Dietrich befindet, ersetzte den in die Jahre gekommenen Klebebinder Acoro von Müller Martini durch dessen Nachfolgemodell Alegro.
Die Musterbox wurde vier Mal umfangreicher
«Nach Inbetriebnahme des meiner Ansicht nach besten Klebebinders der Welt hatten wir wesentlich mehr Verkaufsargumente», erinnert sich Hansjörg Dietrich an die sich schnell einsetzenden positiven Folgen des neuen Softcover-Systems. «So konnten wir unseren Kunden neu Otabind, Fälzel- und Schweizer Broschüren anbieten.»
Von rechts: Catherine Dietrich (Controlling & Personaladministration), Hansjörg Dietrich (Leiter Betrieb & Technik), Urs Dietrich (Leiter Verkauf) und Georg Riva (Müller Martini) vor dem neuen Dreischneider Solit PRO bei An der Reuss.
Bezeichnend für die mit dem Alegro verbundene markante Produkterweiterung ist die Musterbox von An der Reuss, mit der den Kunden das Firmensortiment schmackhaft gemacht wird. Diese umfasste bis 2019 vier Exemplare – heute sind es deren 16! «Weil die Maschine alles abdeckt, können wir die gesamte Softcover-Palette fertigen», betont Urs Dietrich nicht ohne Stolz.
Ein neuer Dreischneider Solit PRO
Nachdem An der Reuss in den vergangenen sechs Jahren hinter dem Alegro den noch vom Acoro stammenden Dreischneider Merit S eingesetzt hatte, wurde dieser im letzten Sommer durch einen Solit PRO ersetzt. «Nun hat unsere gesamte Klebebinder-Linie endlich die gleiche Farbe», begründet Hansjörg Dietrich die jüngste Ersatzinvestition mit einem Augenzwinkern – um gleich die ernsthafte Argumentation nachzuschieben: «Wir verlängern damit den Lebenszyklus der gesamten Linie. Denn dank des Baukasten-Systems von Müller Martini ist es besonders einfach, einzelne Elemente einer Anlage zu erneuern.»
Tatsächlich bietet der maximal 4500 Takte pro Stunde leistende Solit PRO diverse Vorteile.
- Er trumpft mit höchsten Produktionsgeschwindigkeiten im Einzelschnitt sowie dem grössten Formatbereich und den kürzesten Rüstzeiten seiner Leistungsklasse auf.
- Die von Müller Martini zuerst für den oberen Leistungsbereich lancierte und patentierte SmartPress-Technologie sorgt dabei für erstklassige Qualität sowohl bei klebegebundenen als auch bei fadengehefteten Produkten. Dank dieser einzigartigen, servo-gesteuerten Technologie kann die Luft im Buchblock optimal entweichen. Final wird die Presskraft automatisch erhöht, so dass ein perfekter Schnitt ausgeführt wird.
- Er verfügt über einen komplett neu konstruierten Einlauf mit Teleskopband, Abzugsrolle, Anlegermagazin, Überführungsklappen auf den Schneidtisch und servo-gesteuertem, abtauchendem Einschieber. Die exakte Eintaktung wird von den Pförtnerrollen übernommen.
Neben den kürzeren Rüstzeiten hebt Urs Dietrich drei weitere Pluspunkte des neuen Dreischneiders hervor: «Seine Messer haben wesentlich längere Standzeiten, er läuft sehr ruhig, und dank einer optimalen Vorschulung im Print Finishing Center von Müller Martini, die drei Mitarbeitende von uns besuchten, konnten wir ihn schnell im Zwei-Schicht-Betrieb einsetzen. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Solit PRO hat sich bewährt, und wir sind sehr happy!»
Investition in den Nachwuchs
Regelmässige Investitionen in modernste Technologie sind laut Catherine Dietrich ein wichtiger Eckpfeiler der nachhaltigen Firmenphilosophie von An der Reuss. «Zum einen signalisieren wir damit nach aussen, dass wir an die Zukunft unserer grafischen Branche glauben und noch lange für unsere Kunden da sind. Wir haben kein Ablaufdatum auf unserer Verpackung!» Gleichzeitig will das Familienunternehmen mit seinen Werten und dem speziellen Spirit aber auch ein Zeichen nach innen setzen. «Mit neuen Maschinen steigern wir die Motivation unserer Mitarbeitenden und ermuntern technikaffine Junge zum Einstieg in unsere Branche», unterstreicht Catherine Dietrich.
So organsiert der innovative Betrieb jedes Jahr einen – 2025 von nicht weniger als einem ganzen Dutzend besuchten – Lernenden-Parcours, um Jugendliche für eine Berufslehre zu gewinnen. Eine, die bei An der Reuss eine Berufslehre als Printmedienverarbeiterin mit Fachrichtung Bindetechnologie (früher sprach man von Industriebuchbinderin) absolviert und danach eine Festanstellung bekommen hat, ist Melanie Suhner. Auf der Website von Müller Martini finden Sie von Ihr den Blog «Arbeiten mit Maschinen finde ich cool» vom März 2020.
Die langfristige Planung untermauert
Stichwort Mitarbeitende: Die 40 Personen beschäftigende An der Reuss ist nicht nur stolz auf ihre geringe Personalfluktuation, sondern auch auf ihre hohe Beratungskompetenz. Diese ist gemäss Urs Dietrich insbesondere bei komplexen Softcover-Erzeugnissen gefragt. «Deshalb legen wir zum einen grossen Wert auf Beständigkeit, damit unsere Kunden stets die gleichen Ansprechpartner haben. Und zum andern braucht es ein grosses Know-how, um sich – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der digitalen Konkurrenz – von 08/15-Angeboten abzuheben. Wir haben mehrere Fachleute, die seit Jahren in unserem Betrieb arbeiten, das Handwerk bestens verstehen und wissen, wie man auch anspruchsvolle Printprodukte industriell, effizient und kostengünstig herstellen kann.»

Patrick Dietrich (links), der die nach der Alegro-Installation von vier auf 16 Exemplare erweiterte Musterbox in den Händen hält, verstärkte vor einigen Monaten die Geschäftsleitung von An der Reuss. Zusammen mit Urs Dietrich zeichnet er für den Verkauf verantwortlich.
Nicht zuletzt deshalb erweiterte An der Reuss vor einigen Monaten seine Geschäftsleitung. Neben Hansjörg Dietrich (Leiter Betrieb & Technik), Urs Dietrich (Leiter Verkauf) und Catherine Dietrich (Controlling & Personaladministration) gehören ihr nun auch Patrick Dietrich (Verantwortlich Verkauf) – Neffe von Hansjörg und Urs –und Patrik Stotz (Leiter Produktion) an. «So stützen wir uns strategisch noch breiter ab und untermauern unsere langfristige Planung», betont Hansjörg Dietrich.
«Manchmal muss man etwas ellböglen»
Nachhaltigkeit bedeutet für An der Reuss jedoch nicht nur regelmässige Investitionen in Maschinen und Personal, sondern auch eine hohe Energieeffizienz, ein Entsorgungskonzept (Stichwort Recycling) und langjährige Beziehungen zu Lieferanten sowie zu Kunden. Diese sind Druckereien aus der ganzen Schweiz. Für sie fertigt An der Reuss eine breite und formatvariable Palette von Magazinen, Borschüren und Katalogen. Dabei liegt der Schwerpunkt klar auf der Klebebindung. Sammelheftung (mit einem Primera E140 von Müller Martini) macht nur einen geringen Anteil aus, Fadenheftung (mit einer Ventura von Müller Martini) knapp 10 Prozent. Die Auflagen liegen selten unter 100 pro Titel, gehen manchmal bis 200’000 hoch und betragen im Durchschnitt zwischen 2000 und 3000 Exemplare.
«Die Branche verändert sich laufend», sagt Urs Dietrich. «Die Auflagen sinken, und Produkte werden zum Teil nicht mehr hergestellt. Die Situation ist nicht dramatisch, aber man muss sich anpassen und manchmal etwas ellböglen.» Doch trotz des schrumpfenden Markts schauen Catherine, Hansjörg und Urs Dietrich optimistisch in die Zukunft ihres Unternehmens: «Wir sind bestens aufgestellt und haben gute Leute – kurz: Wir stellen uns den Herausforderungen.»